Zungenschrittmacher

Was ist ein Zungenschrittmacher?

Keine Maske, kein Schlauch und keine störenden Geräusche mehr in der Nacht!

Der Zungenschrittmacher ist eine neuartige Therapiemethode bei obstruktiver Schlafapnoe. Er kann bei Betroffenen, die für eine solche Behandlung geeignet sind, eine deutliche Linderung des Schlafapnoe-Syndroms bewirken. Durch den Zungenschrittmacher wird der Atemvorgang stimuliert und das Erschlaffen der Zungenmuskulatur während des Schlafes verhindert. Der Patient atmet dadurch im Schlaf wieder regelmäßiger, die Tagesmüdigkeit nimmt ab und die Lebensqualität verbessert sich in vielen Fällen.

Eine Alternative zu klassischen Behandlungsmethoden?

Lautes krankhaftes Schnarchen und das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom werden bisher im Regelfall mit Überdruckbeatmung (CPAP – Continuous Positive Airway Pressure) behandelt. Nicht alle Betroffenen kommen jedoch mit dieser Druckbeatmung zurecht und verweigern dann das Tragen dieser Beatmungshilfe. Einige bemängeln das ständige Geräusch des Gerätes, was auch für den Bettnachbarn unangenehm sein kann. Teilweise kommt es auch zu Problemen beim Tragen der Maske, die viele Benutzer beim Schlafen behindert. Auch Nebenwirkungen durch den hohen Gegendruck der künstlichen Beatmung werden bemängelt, so dass Patienten in einigen Fällen sogar eine CPAP-Intoleranz entwickeln können.

Eine sinnvolle Alternative zur CPAP-Beatmung ist das Tragen einer Zahnschiene oder eine operative Kiefervorverlagerung. Eine Operation an den Weichteilen im Hals- Rachenbereich kann bei leichten Fällen der Schlafapnoe Linderung bringen. Für Betroffene, für die alle bekannten Therapieoptionen, aus verschiedenen Gründen nicht in Frage kommen, kann der Zungenschrittmacher eine Möglichkeit sein, ihr Problem in den Griff zu bekommen.

Der Zungenschrittmacher wird, ähnlich einem Herzschrittmacher, unter dem Schlüsselbein des Patienten implantiert. Stellt der Zungenschrittmacher einen gefährlichen Atemstillstand fest sendet er über eine Elektrode einen Stromimpuls an den Zungennerv. Dadurch wird der Nerv gereizt und aktiviert die Zungenmuskulatur. Zwangsläufig streckt sich die Zunge nach vorne und gibt so die Atemwege frei. Das bei Schlafapnoe-Patienten bestehende Problem der nächtlich blockierten Atemwege kann damit ausgeschaltet werden. Die Zunge fällt weder in den Rachen, noch versperrt sie die oberen Atemwege. Atemaussetzer sollen so verhindert werden.

Funktionsweise des Zungenschrittmachers

Der Zungenschrittmacher wurde im Jahr 2012 erstmals in der Berliner Charité implantiert und seither in klinischen Studien getestet und ständig weiterentwickelt. Er hat einmal die Funktion, die Atembewegung zu messen und zum anderen durch schwache Elektroimpulse dafür zu sorgen, dass der Zungenmuskel angespannt bleibt. Dies geschieht durch einen Atemsensor und eine Stimulationselektrode, die von einem kleinen Generator betrieben werden. Mittels eines dünnen Kabels, das zum Rippenbogen führt, werden dort die Bewegungen des Zwerchfelles registriert und Atembewegung und Atemfrequenz gemessen. Abgestimmt auf die so ermittelte Kontraktur des Zwerchfells bei der Atmung sendet der Schrittmacher einen schwachen elektrischen Impuls über ein weiteres Kabel an einen Zungennerv, wodurch die gewünschte Stimulation der Zunge ausgelöst und der Luftweg freigehalten wird. Das in den Körper des Betroffenen eingesetzte Gerät, wird mit einer Fernbedienung gesteuert. Vor dem Schlafengehen schaltet der Patient es einfach ein und nach dem Erwachen wieder aus.

Für wen ist der Zungenschrittmacher geeignet?

Die Behandlungsmethode „Zungenschrittmacher“ wurde als Alternative für Betroffene entwickelt, bei denen eine CPAP-Überdruckbeatmung oder die anderen gängigen Methoden keinen Erfolg versprechen. Doch nicht alle Schlafapnoe-Patienten sind für diesen Eingriff geeignet, da es sehr viele Ausschlusskriterien gibt, welche die Verwendung eines Zungenschrittmachers unmöglich machen. Deshalb kommen nur ein bis zwei Prozent der Schlafapnoiker für diese Therapieform in Frage. Zu den Ausschlusskriterien gehören beispielsweise zu große lymphatische Organe, im Bereich von Mundhöhle und Rachen. Außerdem schließt ein kleiner Kiefer, Herzerkrankungen und starkes Übergewicht eine Operation aus. Auch eine zentrale Schlafapnoe, die durch eine Fehlsteuerung im Gehirn verursacht wird, ist auf diese Weise nicht behandelbar.

Für Betroffene mit leichter Schlafapnoe dürften Aufwand, Risiko und natürlich die Kosten, die derzeit pro Behandlung noch um die 20.000 Euro liegen, den Nutzen wahrscheinlich übersteigen und nur in seltenen Fällen in Betracht gezogen werden. In begründeten Einzelfällen haben die gesetzlichen Krankenkassen die Übernahme der Kosten für die Implantation eines Zungenschrittmachers allerdings bereits genehmigt.

Erfolge in der Entwicklungs- und Einführungszeit des Zungenschrittmachers

Deutschlandweit wurden bisher 150 Patienten durch das Einsetzen eines Zungenschrittmachers behandelt, weltweit gab es etwa 700 entsprechende Operationen. Bislang zeigen die klinischen Studien recht ansprechende Ergebnisse. Die Atemaussetzer haben sich nach dem Implantieren des Schrittmachers, um 68% reduziert, der Sauerstoffabfall im Blut um etwa 70%. Eine internationale Studie, bei der 124 Patienten in Deutschland, Russland und den USA beobachtet wurden zeigt, dass bei 70% die Behandlung mit einem Zungenschrittmacher ähnlich gute Ergebnisse wie mit CPAP-Masken erzielt werden konnten. Bei 20% stellte sich immerhin eine Besserung ein, die noch optimierbar ist. Lediglich bei 10% der Patienten brachte diese Therapie keinerlei Erfolg. Diese Forschungsergebnisse sind sehr ermutigend. Man sollte trotzdem bedenken, dass es sich bei diesen Studien um einen speziell ausgewählten Patientenkreis handelt, da nur ein verschwindend kleiner Teil der Schlafapnoe Betroffenen mit dieser Therapiemethode behandelt werden können.

Neben den gesundheitlichen Aspekten kommt es mit dem Zungenschrittmacher auch zu einer Verbesserung der Lebensqualität, weil die bisherige, unkomfortable CPAP-Beatmung entfällt. Der Wegfall des Beatmungsgerätes, des Druckschlauchs und der Maske mit den Kopfbändern vereinfacht die Therapie und verbessert die nächtliche Bewegungsfreiheit.

Die Geräte befinden sich, seitdem der erste Zungenschrittmacher vor vier Jahren implantiert wurde, in einer ständigen Weiterentwicklung und sind inzwischen auch schon etwas kleiner geworden. Sichere Aussagen zur Langzeitverträglichkeit des Zungenschrittmachers lassen sich jedoch nach dieser kurzen Einführungszeit noch nicht treffen. Eine Befürchtung konnte jedoch schon ausgeräumt werden: Überanstrengungs- oder Übermüdungserscheinungen am Zungenmuskel traten bisher bei keinem Patienten auf! Alle 6 bis 7 Jahre sind allerdings weitere Operationen nötig, da dann die Batterie des Schrittmachers immer wieder erneuert werden muss.

Beim Einsetzen eines Zungenschrittmachers handelt es sich um einen umfangreichen operativen Eingriff, den man sich gut überlegen sollte, bevor man sich für diese Behandlungsmethode entscheidet. Dies geschieht in erster Linie nicht, um eine akute Erkrankung zu lindern, sondern um eine mögliche ernste Folgeerkrankung zu vermeiden.