Schlafapnoe für immer heilen

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Stress durch Sauerstoffmangel

Studien zeigen, dass das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSA) bei etwa 5% bis 6% der Gesamtbevölkerung vorkommt. Bei Schlaganfall-Patienten in der Akutphase hingegen liegt dieser Wert bei 45% bis 70%. Dieser Anteil ist so hoch, da die obstruktive Schlafapnoe Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen auslöst. Hier kommt es zusätzlich zu Verdickungen der inneren Anteile der Arterien, die das Gehirn versorgen. Werden diese Blutgefäße zu eng oder sogar blockiert, steigt die Schlaganfallgefahr dramatisch an. Außerdem kann das Schlaganfallrisiko durch OSA erzeugten Sauerstoffmangel im Organismus noch weiter verstärkt werden. Dabei kommt es zu einem Entzündungsprozess in den Gefäßen, wobei Plaques an den Innenwänden der Halsschlagadern entstehen. Dies ist eine der häufigsten Ursachen für Schlaganfälle, weil dann Anteile der erkrankten Gefäßwände gerinnen, sich ablösen und mit dem Blutkreislauf ins Gehirn transportiert werden.

Dass eine Verbindung zwischen der obstruktiven Schlafapnoe und Erkrankungen des Herz- und Gefäßsystems besteht, zu denen auch ein Schlaganfall zählt, wurde in den letzten Jahrzehnten durch eine zunehmende Anzahl von anerkannten Studien belegt. Die obstruktive Schlafapnoe tritt sehr oft bei Patienten auf, die einen akuten Schlaganfall erlitten haben. Eine nicht therapierte Schlafapnoe gilt aber auch als eine der häufigsten Ursachen für Erkrankungen des Herz- Kreislauf -Systems. Sie ist deshalb für einen großen Teil der Schlaganfälle verantwortlich. Somit ist sie nicht nur als Risikofaktor, sondern auch als Folgeerscheinung anzusehen.

Bei einem Schlaganfall handelt es sich um eine Durchblutungsstörung einzelner Gefäßbereiche im Gehirn, die zu einer Blut- bzw. Sauerstoffunterversorgung führen. Sobald die Sauerstoffversorgung des Gehirns und des Herzens nicht mehr gewährleistet ist, bildet der Körper Stresshormone wie Adrenalin oder Kortisol. Der Blutdruck steigt und das Herz versucht, den Mangel durch stärkere Pumpleistung auszugleichen. Damit erhöht sich das Risiko für einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt.

Patienten mit schwerer obstruktiver Schlafapnoe und einem damit verbundenen, lang andauernden nächtlichen Sauerstoffmangel, sind also ganz besonders gefährdet, einen Schlaganfall zu erleiden. 2014 fand in Bad Aibling die SNAK-Tagung statt. (SNAK – Schlafbezogene nächtliche Atmungs- und Kreislaufstörungen).

Die 60 anwesenden internationalen Spezialisten für Schlafapnoe diskutierten unter anderem über die Zusammenhänge von Schlafapnoe und Schlaganfall. Hier wurde berichtet, dass das Risiko einen Schlaganfall zu erleiden, bei Schlafapnoikern und schweren Schnarchern ca. 40fach erhöht ist.

Ist eine Schlafapnoe auf eine gestörte Atemregulation im Atemzentrum des Gehirns zurückzuführen, spricht man von einer zentralen Apnoe, die besonders nach einem Schlaganfall auftreten kann. In diesen Fällen kommt es zu einem Atemstillstand ohne muskuläre Erschlaffung des Rachenraumes und ohne Blockade der Atemwege. Ein plötzlicher Stillstand aller Atemmuskeln vermindert den Sauerstoffgehalt im Blut und erhöht dessen Kohlendioxidgehalt gleichzeitig. Der Schlafende wird von seinem Körper abrupt geweckt und ringt nach Atem.

“Stumme“ Schlaganfälle – eine Gefahr, die unterschätzt wird

Ein Schlaganfall, der durch Schnarchen mit Atemstillständen ausgelöst wird, muss sich nicht unbedingt durch alarmierende Symptome wie Lähmungen, Sprech- oder Sehstörungen bemerkbar machen. Er kann auch als „stummer“, symptomloser Hirninfarkt verlaufen, der besonders oft bei Betroffenen von obstruktiver Schlafapnoe vorkommt. Diese treten sogar fünfmal häufiger auf als offensichtliche Schlaganfälle. Ist ein Gehirn bereits durch einen erlittenen Schlaganfall vorgeschädigt, kann es leichter zu einem zweiten Hirninfarkt kommen. Bedingt durch eine obstruktive Schlafapnoe und den damit verbundenen Sauerstoffverlust erhöht sich die Gefahr, dass ohnehin schon schlecht durchblutete Regionen weiter geschädigt werden. Die Hauptversorgung ins Gehirn ist die Halsschlagader. Sie ist bei Schlaganfall-Patienten durch Mangelversorgung bereits verengt, sodass Blutgerinnsel das Gehirn erneut und sehr viel schneller verstopfen können.

Eine unbehandelte obstruktive Schlafapnoe ist somit ein großer Risikofaktor für stumme Schlaganfälle. Defizite und Hirnfunktionsverluste, die sich bereits durch langjährige Ignoranz einer Schlafapnoe gebildet haben, können nicht mehr behoben werden. Wie Studien zeigen, erhöht eine obstruktive Schlafapnoe das Sterberisiko bei Schlaganfallpatienten um 75 Prozent. Ein Grund dafür ist die Schädigung der Gehirnzellen durch Mangeldurchblutung. Nach jedem nächtlichen Atemaussetzer nehmen Blutflussgeschwindigkeit und arterieller Druck im Gehirn zunächst zu und sinken dann auf ein Minimum ab. Als Folge dieser raschen Veränderungen kann es zu einem lebensgefährlichen Hirninfarkt kommen.

Erhöhtes Schlaganfallrisiko auch bei „milder“ Schlafapnoe

Bei Männern ist das Schlaganfallrisiko deutlich höher als bei Frauen, auch wenn diese an einer „milden“ Form der Schlafapnoe leiden. Dies erklärt sich daraus, dass Männer meist früher an Schlafapnoe erkranken und ihre nächtlichen Atemstörungen vergleichsweise länger unbehandelt bleiben. Neben Übergewicht oder einer konstitutionellen Verengung des Hals- Rachenraumes kann auch ein bereits erlittener Schlaganfall Ursache für diese Störung sein. Es ist erwiesen, dass rund 60% der Patienten nach ihrem Schlaganfall eine Schlafapnoe entwickeln. Besonders betroffen sind Männer zwischen 30 und 60 Jahren, die zu Fettleibigkeit neigen und Frauen nach den Wechseljahren. Schlaganfälle können in vielen Fällen vermieden oder gut therapiert werden, wenn die Ursache der Schlafapnoe rechtzeitig diagnostiziert wird. In leichten Fällen hilft häufig schon eine deutliche Gewichtsreduktion, sportliche Betätigung oder eine Stärkung der Hals- und Rachenmuskulatur durch spezielle Übungen.

Maßnahmen zur Senkung des Schlaganfallrisikos bei Schlafapnoe

Auch bei vorübergehenden Durchblutungsstörungen im Gehirn muss die Ursache dafür dringend herausgefunden werden, weil ohne Behandlung möglicherweise kurze Zeit später ein Schlaganfall folgen kann, der bleibende Schäden hinterlässt. Ärzte verschreiben in diesen Fällen zur Vorbeugung meist blutverdünnende Medikamente, Betablocker oder Mittel zur Verbesserung der Blutfettwerte.

Eine nächtliche Überdruckbeatmung mit einem sogenannten CPAP-Gerät kann in vielen Fällen hilfreich sein. Durch das Benutzen der Atemmaske wird der Schlaf in der Regel erholsamer, die Tiefschlafphase wird nicht unterbrochen und das Risiko für einen erneuten Schlaganfall vermindert sich. Wenn eine lebenslange künstliche Überdruckbeatmung nicht in Frage kommt, kann auch eine sinnvolle operative Therapie zur Heilung der Schlafapnoe einem Schlaganfall vorbeugen.

Herz-Kreislauf-Patienten, die parallel an einer Schlafapnoe leiden, leben sehr gefährlich! Eine rechtzeitige Diagnose mit möglichst frühzeitigen Gegenmaßnahmen kann oft Leben retten.