Dauerhafter Schlafmangel birgt viele gesundheitliche Gefahren

Schlafstörungen werden vielfach als Bagatelle abgetan. Dabei können sie ernstzunehmende Folgeerkrankungen nach sich ziehen, wie zum Beispiel Herzinfarkt und Schlaganfall. Wer über einen längeren Zeitraum mindestens drei Nächte pro Woche keinen gesunden Schlaf findet, sollte sich in ärztliche Behandlung begeben, um Folgerisiken entgegenzuwirken.

Schlafapnoe kann zu einem Herzinfarkt führen

Unter einer Schlafapnoe versteht man nächtliche Atemaussetzer. Schlaffes Gewebe im Rachenraum, das den Luftweg blockiert, kann hierfür eine Ursache sein. Der Betroffene wacht durch den kurzzeitigen Atemstillstand auf und ringt panikartig nach Luft. Dies kann sich mehrmals pro Nacht wiederholen und verhindert einen gesunden, erholsamen Schlaf. Der Schlafende selbst bekommt von den Atemaussetzern in der Regel nichts mit, da das kurzzeitige Aufwachen unbewusst erfolgt. Festzustellen ist lediglich eine erhöhte Tagesmüdigkeit, die auf die gestörte Nachtruhe hindeutet.

Nachts sinken bei gesunden Menschen Herzschlag und Blutdruck. Bei Betroffenen, die unter nächtlichen Atemaussetzern leiden, kommt es im Körper zu einer erhöhten Alarmbereitschaft. Eine panikartige Aufweckreaktion (Arousal) ist die Folge, wobei Herzschlag und Blutdruck wieder hochgefahren werden. Schläft der Erkrankte erneut ein, sinken auch Blutdruck und Herzschlag wieder – bis zum nächsten Atemstillstand. Eine solche Nacht stellt eine enorme Belastung für das Herz- und Kreislaufsystem dar. Die Folge ist häufig ein dauerhaft erhöhter Blutdruck. Dieser verursacht eine beständige Unruhe und Stress für den Körper, was den Schlaf zusätzlich negativ beeinträchtigt. Wer unter einer obstruktiven Schlafapnoe leidet, ist somit besonders gefährdet. Durch den erhöhten Blutdruck steigt auch das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Schlafstörungen bedeuten großen Stress für den Körper

Häufig auftretende Schlafstörungen führen zu krankhaften Begleiterscheinungen. Niedergeschlagenheit, ständige Übermüdung, nachlassende Konzentration, Gereiztheit – die Psyche leidet unter anhaltendem Schlafmangel. Für das Herz ist die gestörte Nachtruhe auch eine große Belastung. Kommt der Körper einfach nicht zur Ruhe, führt dies zu einer Schwächung des Herz- und Kreislaufsystems. Durch den Schlafmangel werden Stresshormone ausgeschüttet, die zusätzlich das Herz schwächen (Herzinsuffizienz). Je häufiger die Schlafstörungen auftreten, desto höher steigt das Herzinfarktrisiko an. Hinzukommendes Übergewicht, übermäßiger Stress und mangelnde Bewegung erhöhen die genannten Risiken zusätzlich. Im Rahmen einer Studie wurde festgestellt, dass bei weniger als sechs Stunden Schlaf sowie bei häufigen Unterbrechungen des Schlafs ein um 48% gesteigertes Risiko für eine Herzkrankheit besteht. Darüber hinaus existiert ein deutlich erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden.

Schlafmangel erhöht das Schlaganfallrisiko

Ein dauerhaft gestörter Schlaf, der dem Körper nicht die notwendigen Regenerationsphasen bietet, erhöht neben dem Herzinfarktrisiko auch die Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall zu erleiden. Zwischen sieben und neun Stunden Nachtruhe werden empfohlen, um ein gesundes Schlafverhalten zu entwickeln. Wer deutlich darunter oder auch darüber liegt, sollte einen Arzt aufsuchen. Jeder 7. Schlaganfall tritt im Schlaf auf. Der Betroffene selbst merkt davon in diesem Moment nichts. Erst am nächsten Morgen sind Lähmungserscheinungen und andere Symptome festzustellen. Bei der Behandlung eines Schlaganfalls kommt es auf jede Minute an. So sind die Heilungschancen deutlich besser, wenn möglichst schnell Hilfe geleistet wird. Daher ist das sofortige Verständigen des Notarztes absolut notwendig. Der im Schlaf eingetretene Schlaganfall liegt meist mehrere Stunden zurück. Deshalb muss auf besondere Formen der Behandlung zurückgegriffen werden, da eine Akuttherapie aufgrund der zeitlichen Verzögerung nicht mehr in Frage kommt.

Wenig Schlaf zeugt nicht von Stärke

Immer wieder hört man von Personen, die sich damit rühmen, mit besonders wenig Schlaf auszukommen. Einige Personen des öffentlichen Lebens geben an, dass für sie bereits eine 4-stündige Nachtruhe ausreicht. Seriöse Schlafforscher können dem nicht zustimmen. Für sie ist ein dauerhafter Schlaf von weniger als sieben Stunden pro Nacht schädlich für den Körper. Bei regelmäßig zu kurzen Nächten wird im Körper das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet. Dadurch steigt der Blutdruck und die Fettverbrennung wird empfindlich gestört. Die ernsthaften Folgen sind Übergewicht (Adipositas) und die Entstehung der Zuckerkrankheit (Diabetes Typ 2). Außerdem kommt es durch Schlafmangel zu einer Veränderung des Stoffwechsels. Gene, die üblicherweise den Transport von Cholesterin regulieren, sind bei einem Schlafmangel weniger aktiv. Dadurch kann das Cholesterin LDL, das auch als schlechtes Cholesterin bezeichnet wird, nicht mehr richtig abtransportiert werden und lagert sich in den Arterien ab. Durch diese fortschreitende Verengung erhöht sich das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt.

Schlafstörungen behandeln

Wer sich nicht einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall aussetzen möchte und auch weitere Begleiterscheinungen von Schlafmangel vermeiden will, sollte sich um ärztlichen Rat bemühen. Kommt es zu einer dauerhaften Störung der Nachtruhe, ist der Facharzt die erste Anlaufstelle. Unter Umständen wird ein Aufenthalt in einem Schlaflabor empfohlen, wo eine genauere Untersuchung aller wichtigen Faktoren mit Hilfe von elektronischen Messungen während des Schlafs stattfindet. Sollten nächtliche Atemaussetzer der Grund für die Schlafstörung sein, wird fast immer das Tragen einer Überdruckbeatmungsmaske verordnet. Diese CPAP-Maske muss der Betroffene dann ein Leben lang jede Nacht tragen. Findet man allerdings aufgrund von seelischen Problemen keine Ruhe, kommt unter Umständen eine entsprechende Therapie bei einem Psychotherapeuten in Frage. Die Möglichkeiten, sich mit seiner Schlafstörung auseinanderzusetzen und Folgeerscheinungen wie einem Herzinfarkt aktiv entgegenzuwirken, sind vielfältig. Wichtig ist, dass fachärztliche Hilfe eingeholt und eine eindeutige Diagnose erstellt wird, um die richtigen Therapiemaßnahmen festzulegen.