Atemaussetzer

Was passiert bei Atemaussetzern im Schlaf?

Als Atemaussetzer werden Atemstillstände des Schlafenden bezeichnet, die mehrfach pro Stunde mit einer Länge von mindestens zehn Sekunden auftreten. Der medizinische Begriff dafür lautet obstruktive (verengende) Schlafapnoe

In den meisten Fällen ist die Ursache für diese gefährliche Krankheit eine Wachstumsstörung des Unterkiefers. Ist der Kiefer zu klein, sitzt die daran festgewachsene Zunge zu weit hinten im Rachen und engt die Atemwege ein. Schläft man in der Rückenlage, fällt die Zunge nach hinten und blockiert die Atemwege wie ein Korken. Der Körper wird dadurch in einen reflexartigen Alarmzustand versetzt und löst automatisch eine Weckreaktion aus, um einen plötzlichen Erstickungstod zu verhindern. Der Schlafende schnappt kurz nach einem explosionsartigen Schnarchgeräusch nach Luft, der Puls wird beschleunigt und die Herzfrequenz steigt. Diese Aufweckreaktion geschieht unbewusst. Der Betroffene bekommt also von dem Vorgang in der Regel nichts mit. Solche Atemaussetzer mit anschließenden Weckreaktionen können bei schwerer obstruktiver Schlafapnoe öfter als 500 Mal pro Nacht auftreten. Am kommenden Tag machen sich die Auswirkungen dieser Schlafstörung bemerkbar. Starke Leistungs- und Konzentrationsschwächen und andauernde Tagesmüdigkeit sind die unangenehmen Konsequenzen. Werden die Atemaussetzer nicht von einem Facharzt behandelt, können ernsthafte Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftreten. Die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls oder tödlichen Herzinfarktes wird dann dramatisch erhöht.

Ursachen von nächtlichen Atemaussetzern

Wie bereits erwähnt, ist die Hauptursache für eine obstruktive Schlafapnoe eine Kieferfehlstellung, die für verengte oder sogar blockierte Atemwege verantwortlich ist. Es gibt aber auch andere Gründe für das Schlafapnoeproblem und Faktoren, die das Risiko begünstigen. Dazu zählen beispielsweise starkes Übergewicht, der Konsum von Alkohol, Nikotin und Schlafmitteln. Auch unregelmäßige Tagesabläufe, die zum Beispiel der Schichtdienst zwangsläufig mit sich bringt, können diese Krankheit verstärken. Weitere Ursachen für Schlafapnoe können vergrößerte Rachenmandeln, Nasenpolypen oder Nasenscheidewandverkrümmungen sein. Bei einigen Betroffenen resultiert eine Schlafapnoe auch aus angeborenen Veranlagungen, die zur Erschlaffung der Rachenmuskulatur führen.

In der Medizin sind die Auswirkungen einer Kombination aus drastischem Übergewicht, Schnarchen und andauernder Tagesmüdigkeit (Schlafsucht) bereits seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Damals bezeichnete man diese Erkrankung als Pickwick-Syndrom, was auf den Roman von Charles Dickens „Die Pickwickier“ zurückging, der im Jahr 1836 darin einen fetten, schnarchenden und stets von Müdigkeit geplagten Mann beschrieb, der in jeder Situation einschlief. In den 1960er Jahren stellte man dann fest, dass es sich bei dem damals bereits erkannten Syndrom um eine besonders ausgeprägte Form einer schlafbezogenen Atemstörung handelte – dem Schlafapnoe-Syndrom.

Beseitigung von nächtlichen Atemaussetzern

Zur Vorbeugung von Atemaussetzern sollte man zunächst herausfinden, ob diese krankheitsbedingt oder verhaltensbedingt ausgelöst werden. Ein starker Schnupfen oder eine hartnäckige Erkältung kann eine vorübergehende Ursache sein, die aber nach medikamentöser Behandlung wieder verschwindet. Auch bestehender Bluthochdruck kann Grund für eine Schlafapnoe sein und muss behandelt werden. Operative Eingriffe sind vor allem bei einer Verengung des Hals-Rachenraumes sinnvoll. Bei leichten und mittleren Fällen hat sich eine sogenannte „bimaxilläre Kiefervorverlagerung“ bewährt. Bei stark ausgeprägter Schlafapnoe ist die Weiterentwicklung dieser Operation namens „Rotation Advancement“ die erfolgreichste Therapiemethode. Hier werden die Atemwege extrem geweitet, was sogar zu einer vollständigen und dauerhaften Heilung einer schweren und schwersten obstruktiven Schlafapnoe führt. Auch die chirurgische Korrektur einer Verkrümmung der Nasenscheidewand kann bei Schlafapnoe schon gute Resultate bringen. Die Entfernung von Rachenmandeln oder Polypen lindert oft die Problematik, aber eine vollständige Heilung ist hier nahezu ausgeschlossen.

Bei verhaltensbedingten Risikofaktoren kann allerdings der Betroffene selbst aktiv vorbeugen, indem er beispielsweise den abendlichen Alkoholgenuss einschränkt und auf das Rauchen verzichtet. Starkes Übergewicht sollte reduziert werden, da Fettgewebe im Hals-Rachenraum diesen Bereich verengt und somit Atemstillstände fördert. Da das Schlafen in Rückenlage oft die Atemaussetzer begünstigt, sollte man versuchen, zur Linderung der oben genannten Begleiterscheinungen vorwiegend in Seitenlage zu schlafen.

Problematisch ist, dass viele Betroffene ihre aussetzende Atmung nur selten selbst bemerken, weil sie es im Schlaf nicht bewusst registrieren. Stattdessen werden die Lebenspartner der Betroffenen empfindlich in ihrer eigenen Nachtruhe gestört, da sie oftmals von den lauten Schnarchattacken geweckt werden. Dabei bemerken sie, dass der Atem des Partners zwischendurch immer wieder kurzzeitig aussetzt. Dann ist es wichtig, den Betroffenen darüber zu informieren und ihn dabei zu unterstützen, etwas gegen diese Atemstörungen zu unternehmen.

Diagnose und Behandlung von Atemaussetzern

Unbehandelte Atemaussetzer führen zu einer obstruktiven Schlafapnoe und verschlechtern die gesamte Lebensqualität. Aufgrund der gefährlichen Blutdruckerhöhung kommt es tragischer Weise oft zum vorzeitigen Tod durch Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Um die Ursachen der Atemaussetzer herauszufinden, kann sich der Betroffene entweder in ein Schlaflabor begeben oder eine ambulante Untersuchung zuhause durchführen. Dabei werden über ein angeschlossenes Gerät seine Atmung, der Sauerstoffgehalt seines Blutes und die Atembewegungen gemessen und später im betreuenden Schlafzentrum ausgewertet. Leichtere Beschwerden durch nächtliche Atemaussetzer können teilweise durch das Tragen einer Schnarchschiene behoben werden. Diese verschiebt den Unterkiefer minimal nach vorne, wodurch die Zungenmuskulatur und das Gewebe im Unterkiefer und Rachen leicht unter Spannung gesetzt werden. Dadurch weiten sich die Atemwege im hinteren Rachenbereich ein wenig und die Atemluft kann etwas besser ein- und ausströmen.

Reicht diese Maßnahme nicht aus, weil es sich bereits um eine stark ausgeprägte Schlafapnoe handelt, kann ein Atemtherapiegerät mit einer sogenannten CPAP-Atemmaske wirksam sein. Diese muss während des Schlafens getragen werden und stellt im Rachenraum oder durch die Nase einen Überdruck her, der dafür sorgt, dass die Atemwege nicht zusammenfallen und offen gehalten werden. Mit dieser Behandlungsart werden jedoch nur die Symptome und nicht die Ursachen der Atemaussetzer behandelt. Dies bedeutet, dass der Betroffene diese künstliche Beatmungshilfe ein Leben lang während des Schlafes tragen muss. Die Chance, dass die Atemaussetzer durch diese Methode ausgeschaltet oder wenigstens gemildert werden können, ist durchaus gegeben. Bei kontinuierlicher und konsequenter Anwendung zahlen sich die anfangs als unangenehm empfundenen Trageeigenschaften und diesbezüglichen Nebenwirkungen oftmals aus.